Donnerstag, 5. Februar 2015

Treibhaus-Effekt hautnah...

Hallo ihr Lieben! 

Wir dachten, wir melden uns mal wieder, um euch unter anderem von unserer Arbeit hier auf der organischen (yippi) Gemüseplantage zu berichten. 

Bevor wir doch mit dem Arbeiten anfingen, machten wir noch einen Ausflug nach Mahia Peninsula, eine Halbinsel etwas weiter nördlich von Napier. Auf dem Weg dahin hatten wir unsere erste Autopanne! Ohne Vorahnung sind wir auf dem Highway gefahren, als unser Auto plötzlich seltsame Geräusche machte. Ein paar Minuten später kam auf einmal Rauch aus unserer Motorhaube! Panisch hielten wir am Straßenrand an. Erst jetzt viel uns auf, dass die Temperatur unseres Motors viel zu hoch war. Daraus schlossen wir, dass unsere Kühlwasser leer war. Einige Leute hielten an, um zu helfen. Schnell war klar, dass wir warten mussten, bis unsere Auto abgekühlt ist und wir Wasser nachfüllen können. So sind wir also am Highway gesessen- und was macht man in solch einer aussichtslosen Situation!? Genau, erst einmal Kaffee kochen! Als unsere Auto wieder fahrtüchtig schien, fuhren wir zur nächsten Werkstatt, um es kurz checken zu lassen. Der freundliche Mechaniker konnte zum Glück keinen Motorschaden feststellen, so ging es etwas unsicher weiter nach Mahia Beach. Dort wurden wir von der wunderschönen Küste und ihren Klippen überwältigt. Wie so oft übernachteten wir in einer vertrauenserregenden Straße. Doch zuvor genossen wir noch einen filmreifen Sonnenuntergang.






Am 26.01. ging es dann los "mim Schaffe". Der Betrieb ist relativ klein und neben uns gibt es nur eine Festangestellete & zwei andere französische Backpacker namens Elodie & Brice.
Wir haben die Möglichkeit mit unserem Auto hinterm Haus zu parken, darin zu schlafen und die Hausküche, WC, Dusche, Waschmaschine & Co. für jeweils 45$ pro Woche mitzunutzen. Das ist echt viel wert, da wir uns dadurch nicht nur den Arbeitsweg sparen, sondern auch mitten im Familienleben drin sind. Unser Chef Bruce ist mega cool und die ganze Familie ist sehr liebenswert. Außerdem hat die Familie 'Ellingham' seit kurzer Zeit einen Welpen! 'Lucky' ist ein Labrador - Border Collie Mischung! Mein absoluter Traumhund! Neben Lucky gibt es auch noch eine Katze. Leider mussten wir erfahren, dass sie von allen nur "the  cat“ genannt wird :D


Lucky, hat unter anderem meinen FlipFlop versteckt. Oder gegessen, man weiß es nicht.

Family- Dinner! 

Wir arbeiten jetzt hier also schon seit 2 Wochen. Die Tage sehen meistens so aus, dass wir insgesamt um die 8 Stunden arbeiten und dabei allerlei Gemüse ernten und verpacken, Unkraut jäten, oder irgendwelche Arbeiten im Treibhaus verrichten. Das kann wirklich anstrengend sein, zumal es da drin schon mal an die 45 Grad hat. Ihr könnt euch ja vorstellen, wie wir dann am Ende eines langen Arbeitstages aussehen :D Dreckig wie Sau! Was man für Geld nicht alles macht...

Am späten Nachmittag chillen wir dann meistens und kochen gemütlich. Für große Aktivitäten sind wir schlicht und weg zu müde. Da freut man sich natürlich umso mehr auf das Wochenende. So kam es, dass wir letzten Samstag spontan auf ein regionales Festival, hier in Hastings, gegangen sind. Nach der Arbeit hatten wir uns mit Bruce‘ Sohn ‘Cambell‘ unterhalten und er meinte, ob wir nicht Lust hätten mitzukommen, er kann uns gerne ein paar Freunden vorstellen J Unser Auto hat sich auch mal wieder ausgezahlt, weil wir so einfach auf dem Parkplatz übernachten konnten. Das Festival war zwar sehr klein, aber das machte das Ganze intimer und man hatte keine Probleme seine Leute andauernd zu verlieren. Bei meinem äußerst hervorragenden Orientierungssinn war das ein klarer Vorteil. Es haben Acts aus der Umgebung gespielt, die alle richtig gut waren! Wir haben bis spät in die Nacht getanzt und viele coole Leute kennengelernt. Hier waren zum Glück mal überwiegend Kiwis unterwegs. Es blieb trotzdem nicht aus 4 Deutsche kennenzulernen... jaja Germans everywhere! Am nächsten Morgen sind wir mehr oder weniger zurechnungsfähig wieder nach Hause gefahren und haben den Tag damit verbracht zu entspannen. Oder anders gesagt, den Hangover auszukurieren. Uuuund schon war wieder Montag und es hieß ran an die Buletten! Oder eher an die Tomaten, Gurken, Bohnen, Paprika, und so weiter und sofort. Wir werden nun noch weitere 14 Tage hier verbringen, bevor wir unsere Reise weiterführen.

Gestern haben wir zusammen mit Brice und Elodie gekocht und den Abend gemeinsam verbracht. Brice, der, wenn er gerade nicht Neuseeland bereist, Koch von Beruf ist, hat ein leckeres Gemüse-Kartoffel Püree mit Lamm- Steak gezaubert. Wir haben mal wieder einen grünen Salat beigesteuert. Das lässt sich vom Schwierigkeitsgrad ja praktisch gleich setzen...


French cuisine in New Zealand

Ich möchte diesen Blogeintrag nutzen, euch von allgemeinen Dingen zu berichten, die uns hier in Neuseeland bewegen und zum Nachdenken bringen.

Eine Sache, die uns direkt in der ersten Woche aufgefallen ist, ist die neuseeländische Mentalität. Die Leute hier sind unglaublich relaxed, schätzen ihre Mitmenschen und legen Wert auf Freundlichkeit. Sind diese Werte dieselben in Deutschland?  

Ich bin ja eigentlich eine Person, die sich gerne das ganze Leben verplant und dabei vergisst, den Moment zu genießen. Wer mich kennt weiß, dass ich mir gerne To-Do Listen für sämtliche Ereignisse schreibe. Wenn dann mal etwas nicht nach Plan verläuft, verfalle ich schnell in Stress und ärgere mich, dass nicht alles so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. So verplant man sein Leben und vergisst dabei „zu erleben“. Ich möchte nichts generalisieren, aber ich glaube, dass viele Deutsche diese Eigenschaft besitzen, auch wenn sie es vielleicht nicht zugeben möchten. Die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, haben mich überzeugt, dass es auch anders gehen kann.
Es hört sich vielleicht mainstream an, aber warum versuchen wir nicht einfach jede Minute, die uns geschenkt wird, zu genießen? Ich meine damit nicht, dass man dabei Dinge wie Schule oder Job vernachlässigen sollte. Was man meiner Meinung nach aber in den Hintergrund stellen sollte, sind Luxusprobleme oder Zehnjahrespläne, die sowieso niemals so geschehen werden. Wieso hängen wir uns an solchen Dingen auf?
Die Neuseeländer geben mir den Eindruck, als würde sie nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Die entspannte Lebenshaltung bringt auch viel Flexibilität mit sich. Natürlich läuft hier auch mal etwas nicht nach Plan. Doch mit dieser Einstellung, findet man sich besser mit einem Plan B ab.

Die Freundlichkeit ist ein weiterer Punkt, der hier im Kontrast zu Deutschland steht. Geht man hier in den Supermarkt und möchte bezahlen, wird man gefragt wie es einem geht, oder wie das Wochenende war. Dabei wird keine ausführliche Antwort verlangt, doch man entgegnet ein „I’m good, thank you!“ und schon wieder hat man einmal mehr für diesen Tag gelächelt. Verfährt man sich hier, so muss man sich nicht schuldig fühlen, wenn man nach dem Weg fragt. Hat man eine Frage, so bemühen sich die Menschen diese zu beantworten. Ich denke die Begriffe ‘Hilfsbereitschaft‘ und ‘Empathie‘ spielen hier im Alltag eine große Rolle. Ein Beispiel ist, als wir in Auckland nach einem Bushaltestelle gesucht haben, hat uns eine Frau geholfen und an ihrem Handy 5 Minuten lang nach der richtigen Verbindung für uns gesucht. Und das war für sie selbstverständlich.

Ich hoffe wirklich, dass wir ein wenig dieser Mentalität mit nach Hause nehmen können. Ich liebe Deutschland, nicht dass das gerade falsch rüber kam, aber ich finde wir sollten mehr Energie auf die schönen Dinge des Lebens richten, anstatt uns damit aufzuhalten, jede 5 Minuten auf die Uhr zu schauen. So simpel es sich anhören mag, wir sollten versuchen jeden Tag mit einem Lächeln zu starten. Vielleicht gleich morgen?



P.S. Sorry für dieses Abschweifen, aber diese Gedanken sind Teil unserer Gespräche- Teil unserer Reise. J


- Lena