Mittwoch, 6. Mai 2015

Paradis auf Umwegen

Hallo Freunde oder wie die Neuseeländer gerne sagen: 

How’s it going, mate!?


In diesem Moment sitze ich am Esstisch unserer derzeitigen Hostfamilie den „Holmes“ und habe endlich mal wieder Zeit gefunden, einen neuen Blogeintrag zu verfassen! Ja, mit Wlan, einem Dach über dem Kopf und einem flackernden Ofen im Hintergrund fällt einem das viel leichter, als in einer überfüllten Bibliothek irgendwo im Nirgendwo, die  eigentlich nur 1 Stunde Internetgebrauch erlaubt und man sich deshalb hinter Bücherregalen versteckt, dabei aber stets den Akku im Auge behalten muss, da die einzigen 3 Steckdosen natürlich von anderen Backpackern belegt sind und man sich stets bereit halten sollte sich eine der besagten Stromquellen löwenhaft zu erkämpfen! Ja, so ist das Leben eines Backpackers! Aber alles halb so schlimm, das ist nämlich eins der wenigen Probleme, die man hier als Reisender hat. Wenn man diese überhaupt als Probleme bezeichnen kann. J

Und wie kommt es dazu, dass ich gerade gemütlich in South Cantebury sitze? Dazu müssen wir erst einmal ein paar Wochen zurück blicken. Nachdem wir die Gletscher an der Westküste besichtigt hatten führte unser Weg weiter nach Wanaka, das direkt am riesigen Lake Wanaka liegt. Auf unserem Weg dorthin mussten wir über den Haast Pass fahren (Unser Auto hat es geschafft! Good Job, Fridolin!). Dort machten wir an den Blue Pools Halt, WOW was die Natur in Neuseeland hervorgezaubert hat, raubt mir immer wieder den Atem.

10 Gehminuten vom Highway: Die Blue Pools

Mit Schafen auf der Straße muss man in Neuseeland immer mal wieder rechnen 
In Wanaka haben wir eine kleine Wanderung am Lake Diamond unternommen, bei der wir israelische Jungs kennen lernten. Auf dem Gipfel des Hügels wurde uns von diesen dann frischer Café gekocht, wenn das mal kein Luxus ist!


Cafe oder Tee?

Weiter ging es nach Queenstown! Einem kleinen Städtchen, das sich zu Neusseelands Touri Metropole entwickelt hat. Hier kann man die ganze Woche über feiern gehen und von Skydive bis Bungeesprung ist hier auch alles dabei! An unserem ersten Abend ging es dann auch gleich mit unseren israelischen Freunden und ein paar Deutschen feiern! Nach wochenlanger Party-Abstinenz kam uns das sowas von Recht! Wer in Neuseeland nach Party sucht, der wird vorallem in Auckland, Mount Manganui, Queenstown, und Christchurch fündig. Die Natur spielt bei unserer Reise die Hauptrolle, deswegen sind wir nicht böse, dass es nur selten „auf die Piste“ geht. Aber wenn es die Gelegenheit gibt, dann nutzen wir diese J. In Queenstown haben wir also ein paar Tage verbracht und ordentlich Geld gelassen. Und stellt euch vor, wir haben tatsächlich 2 weitere Murgtäler getroffen! Gretas Klassenkameraden Manuel und Louis reisen auch durch Neuseeland und haben zu dieser Zeit in Queenstown gewohnt. So kam es, dass wir gemeinsam losgezogen sind und bis spät in die Nacht Bars abgeklappert haben. Nach tagelanger Recherche sind Greta und ich zu dem Entschluss gekommen, dass das Rhino’s unsere Lieblingsbar ist, da dort auch HipHop gespielt wird. Wenn man sich in Queenstown aufhält, darf man es eigentlich nicht verpassen einen legendären Fergburger zu essen, für den die Leute Schlange stehen. Auch wir haben uns den Genuss gegönnt. Leckeeeer!
 
Lovely, isn't it?


Ein Ausflug ging nach Glenorchy, wobei man hier sagen muss. Der Weg ist das Ziel! Die Autostrecke gilt nämlich als eine der schönsten der Welt. Zunächst war ich ein bisschen skeptisch, da diese Straße so unglaublich gehyped wird, das man dem ganzen schon nicht mehr trauen möchte. Doch tatsächlich, die Strecke hat sagenhafte Ausblicke auf die „Remarkables“, die Berge um Queenstown, und den See Wakatipu! Wiedereinmal waren wir unglaublich froh ein Auto zu besitzen. Für Leute, die über mehrere Monate durch Neuseeland reisen eigentlich ein Muss!


On the road to Glenorchy
Glenorchy
Unsere Reise führte uns weiter zum weltweit bekannten Milford Sound! Von Te Anau aus fährt man knapp 120 Kilometer Landes auswärts nach Milford. Auf dieser Strecke begegnet man außer der Natur und ein paar Campingplatz nichts und niemandem. Ein Highlight war der Homer Tunnel, der nur einspurig befahrbar ist, von ein paar Lampen beleuchtet wird und in dem es Wasser von der Decke tropft! Das war schon ein bisschen abenteuerlich. Der Milford Sound ist ein riesiges Fjordgebiet, auf dem wir einen 2stündgen Cruise unternahmen.

Milford Sound

Nettes Camp, oder?




Auf unserem Rückweg machten wir an verschiedenen Punkten Stopp, unter anderem auch am Startpunkt des Routburn Tracks, wo wir eine 2 stündige Wanderung auf den Key Summit machten. Dort wurden wir von einem unglaublichen Ausblick überrascht! Der Blick reicht über dicht bewachsene Täler und schneebedecktes Gebirge, Gänsehaut!


Key Summit
Von Milford zurück nach Te Anau
Nach einer etwas längeren Autofahrt kamen wir in Invercargill an, wo wir unverhofft auf einen Strandabschnitt stießen, an dem wir wild gecampt haben. Am nächsten Tag war dann auch schon Ostern, ein Fest, dass völlig an uns vorbei ging. Unser nächstes Reiseziel waren die Catlins, die sich im tiefsten Süden Neuseelands befinden. Die Catlins sind von vielen Wäldern durchzogen und bieten wunderschöne Buchten! Das Wetter war zum Glück mal wieder auf unserer Seite. Selbst im Milford Sound, wo über die Hälfte des Jahres regnet, hatten wir nur ein paar Wölkchen am Himmel. Wir fuhren also zum Waipapa Point, wo wir Seelöwen hautnah beobachten konnten.






Ein weiteres Ziel war die Curio Bay, wo wir eine Nacht auf dem Campingplatz verbrachten. Meiner Meinung nach der schönste Campingspot, den wir bisher hatten. Wir konnten mit unserem Auto praktisch auf einem Felsenvorsprung parken und hatten Sicht auf Klippen und See. Am Curio Bay kann man auch Gelbaugenpinguine beobachten. Das war eine süße Aktion, da der Ranger (so etwas wie der Pfadfinder/ Verwalter der Natur) eine ganze Gruppe Touris durch die Ebbenlandschaft führte, immer auf der Suche nach Pinguinen. Leider haben die sich erst gezeigt, als die Sonne schon fast untergegangen war. Doch die Umrisse konnten wir erkennen. Am nächsten Tag konnten wir in der Bucht Delfine beobachten, die unglaublich nah am Strand entlang schwommen und spielten.
Weiter ging es zu den McLean Falls und zum Puranaki Bay, zwei Reiseziele, die sich empfehlen lassen! Die Puranaki Bay liegt ganz schön abgelegen und wir mussten ein gutes Stück Schotterstraße fahren um dort hin zu gelangen. Doch das war es wert! 



Auf dem Weg zurück vom "Jack's Blow Whole"


McLean Falls

Ein weiteres Highlight unserer Reise war ein Horsetrack. Mit vier Pferden ritten wir am Strand entlang, bevor wir einen Hügel erklommen, von dem wir eine tolle Aussicht hatten. Dieser Ausritt hat mich überglücklich gemacht, da ich mir das schon seit Jahren gewünscht habe und dieser Wunsch endlich in Erfüllung ging!

Auf hohem Ross am Strand
Über Stock und Stein :)
Nugget Point
Nach unserem Besuch in den Catlins ging es weiter nach Duniden, einer größeren Stadt an der Ostküste. Dort fuhren wir an den Tunnel Beach, unter dessen Namen wir uns zunächst nicht so viel vorstellen konnten. Dort angekommen, wurde uns klar, dass das man den Namen wörtlich nehmen kann, denn durch einen Felsen durch führt ein Tunnel zu einer kleinen Bucht. Traumhaft! Doch auch die Felsenkulisse lässt sich sehen. Ein Must- Do!




An Duniden liegt die Halbinsel „Otago Peninsula“,  auf der auch der Strand „Sandfly Bay“ liegt. Dort muss man eine steile Düne runterkrakseln, um an den eigentlichen Strandabschnitt zu kommen. Dort angekommen, liefen wir am Strand entlang und stolperten dabei fast über einen Seelöwen, die sich im Sand vergraben hat! Zu diesen Tieren sollte man eigentlich mindestens 10 Meter Abstand halten. Ups! Der Seelöwe hat allerdings überhaupt keine Reaktion gezeigt, was wahrscheinlich daran lag, dass diese Tiere den ganzen lieben Tag nur chillen!



Duniden hat uns auch sehr gut gefallen, dort haben wir ein paar Cafés ausprobiert, sind durch die Straßen geschlendert und haben einen Ausflug in die Schokoladenfabrik gemacht: Best. Day. Ever.

In Moeraki haben wir uns ungewöhnliche Steinformationen angeschaut.






Eigentlich wollten wir uns dann auf nach Geraldine machen, da unser nächstes Woofing (working on organic farms) am nächsten Tag beginnen sollte. So dachten wir jedenfalls. In einer Email fragte Greta um wie viel Uhr wir am nächsten Tag denn ankommen könnten. Lyn (unsere Hostmom) antwortete prompt und fragte, ob wir unsere Pläne geändert hätten, da wir uns eigentlich für einen Monat später angekündigt hatten! HAHA das ist ja mal wieder typisch! Da haben wir uns einfach um einen ganzen Monat vertan! Das kommt davon wenn man monatelang im Urlaubsmodus lebt. Gott sei Dank wurde uns angeboten schon in einer Woche zu kommen. Also hatten wir noch 7 Tage tot zuschlagen, die Entscheidung, was wir solange tun war dann sehr spontan geschlossen: Queenstown 2.0


Auf unserem Weg nach Queenstown mussten wir über die Berge fahren, wo es plötzlich anfing zu schneien. „Es schneit bestimmt nur in den Bergen“, dachte ich. War wohl nichts! Je näher wir Queenstown kamen, desto mehr schneite es und angekommen tobte ein richtiger Schneesturm. Da hat man 1 Woche vorher noch kurze Hosen an und plötzlich muss man Angst haben am Kältetod zu sterben! Wir sagen euch, diese zwei Nächte im Auto, waren die kältesten die wir bisher erlebt haben! Nichts des zu trotz war es unfassbar schön die Berge um Queenstown mit Schnee zu betrachten. Ein Traum! Man kann wirklich allem etwas Gutes abgewinnen. Für die nächsten Nächte haben wir uns dann ein Hostel gebucht, um die Kälte zu entgehen. Ihr glaubt gar nicht wie viel Wert ein warmes Bettchen ist!

"Der Schnee liegt bestimmt nur hier oben..."





Auf unserem Weg zurück an die Ostküste fuhren wir noch zum Mount Cook, dem größten Berg Neuseelands. Dort machten wir nur eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt, der einen wunderbaren Blick auf den schneebedeckten Riesen gewährte.

Der See Pukaki, der sich am Fuße des Mount Cook erstreckt, ist auch wunderschön, da er bei gutem Licht in einem unnatürlichen türkisblau erleuchtet. Der Mount Cook war "so nah" auch sehr beeindruckend, zumal wir ihn auch schon von der Westküste aus sehen konnten!


Am Abend wollten wir noch weiter zu einem Campingplatz fahren, doch auf dem Weg am Lake Pukaki entlang fiel uns ein kleiner Weg zum Seeufer auf. Spontan haben wir dann direkt am See übernachtet, dort durften wir den schönsten Sternenhimmel betrachten, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe! Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen und wir konnten ganz klar die Milchstraße sehen! Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis, bei dem uns klar wurde, wie LUCKY wir doch sind, diese Erfahrung Neuseeland machen zu können. Wir sind jetzt nämlich genau 6 Monate unterwegs. Ein wirklicher Alltag tritt beim Reisen eigentlich nie ein, da man immer wieder neue Dinge sieht, erlebt. Doch wir haben an uns selbst beobachtet, dass wir ab und zu vergessen, unser Glück zu schätzen. Doch in diesem Moment, als der Sternenhimmel über uns strahlte und die Welt plötzlich ganz klein wirkte. Genau dann schien mir dieses Glück wieder greifbar nahe.

So lässt es sich leben
Am nächsten Tag hieß uns unsere Woofingfamilie in Woodbury (bei Geraldine) willkommen. Und von der ersten Minute an fühlten wir uns wohl! Die Famile besteht aus Lyn, Alister (den Eltern) und den Kids Eve (2), Guy (5) und Harry (7). Unsere Aufgaben sind hauptsächlich auf die Kinder aufpassen, Dinge im und ums Haus erledigen und ab und zu auf der Farm arbeiten. Wir sind jetzt schon die 3. Woche hier, weil es so schön ist! Greta und ich sind beide Familienmenschen, vielleicht genießen wir die Atmosphäre deshalb so sehr. In diesen 3 Wochen haben wir schon ein Rehkitz mit der Flasche gefüttert, Karaoke im lokalen Pub gesungen, einen Traktor gefahren, mit den Kindern auf dem Trampolin gesprungen, Bäche bei einer Wanderung überquert und auf Baumstämmen balanciert, Lämmer getrieben und für die Grundschule ein kleines Konzert gegeben! Die Farm erstreckt sich übrigens über 560 Hektar, worauf Schafe, Kühe, Hirsche und Rehe gezüchtet werden.

Bambi "Piggsy"

Letzen Freitag haben wir eine Wanderung auf den Little Mount Peel, im Peel Forest unternommen. 3 Stunden lang mussten wir steil bergauf laufen, doch danach wurden wir mit einer sagenhaften Aussicht belohnt. Im einen Moment hat man das Meer vor sich, dreht man sich um, kann man die Südalpen sehen. Eine der schönsten Wanderungen bisher!
Little Mount Peel
 

Die Kinder sind mittlerweile alle im Bett und wir sitzen gerade noch gemeinsam vor dem Fernseher und machen uns über den „Bachelor New Zealand“ lustig (Jap, das Format hat es bis ans Ende der Welt geschafft). Der letzte Monat in Neuseeland hat angebrochen und jetzt schon kommt Wehmut in mir auf, wenn ich daran denke, bald wieder nach Hause zu gehen.
Für Greta geht es mit Patricia und einer weiteren Freundin noch für ein paar Wochen nach Australien! Good news, aye!?

Nun werden wir erst einmal noch die restliche Zeit in vollen Zügen genießen. J



Cheers!

- Lena


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen